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Verlag J. Lühmann


Liselotte Dörschel

Wir müssen starke Herzen haben

Lebenserinnerungen

Preis: 9,00 Euro

ISBN 3-934119-01-8


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Inhaltsangabe

Die Autorin Lieselotte Dörschel, heute wohnhaft in Bockenem, ist geboren und aufgewachsen im Vorharz. Die Geschichte ihrer Familie in Düderode und Rhüden am Harz schildert sie anhand alter Aufzeichnungen, Briefe und Tagebücher. Vor den Augen des Lesers entsteht ein lebendiges Bild dieser heiteren und schweren 20er bis 60er Jahre, wie sie viele Menschen jener Generation erlebt haben. Mit scharfem Blick wird auch manches Unrecht und Grauen aus der Zeit der Naziherrschaft geschildert, das in vielen Chroniken der Nachkriegsjahre ausgespart bleibt. Wie kam es, daß so viele Menschen in jenen Jahren Hitler folgten? Die Betrachtung der ganz persönlichen Nöte und Probleme der Menschen in den Vorkriegsjahren hilft uns, manch folgenschwere Entwicklung jener Zeit zu verstehen. So soll uns dieses Buch auch als Warnung dienen, heute bei zum Teil ähnlichen Problemen mit steigender Arbeitslosigkeit und sozialen Nöten, nicht wieder die gleichen Fehler zu machen. Mit den ganz persönlichen Lebenserinnerungen wird uns ein authentisches Stück Zeitgeschichte nahegebracht. Wir lesen von Freude, Trauer und Hoffnung:

„Wir müssen starke Herzen haben!“


Beurteilungen

Die bisherige Resonanz auf das Buch ist durchweg positiv. Hier einige Meinungen:

Annette Könnecke, 1. Vorsitzende des Kunstkreises Seesen e.V.: „Durch beeindruckende, klare Beschreibungen läßt uns die Autorin teilhaben an wichtigen Lebenssituationen und prägenden Familien- und Geschichtsereignissen. Sie beschreibt verständlich und spannend das Für und Wider der Hitlerzeit, die Wirren des Krieges und die Entbehrungen in der Nachkriegszeit. Ich möchte gratulieren zu diesem Buch, das nicht nur für die Nachkommen von Lieselotte Dörschel interessant ist, sondern auch für viele aufgeschlossene Menschen lesenswert ist.“

Wolfgang Horn, Autor, Bad Grund: „Ich gratuliere Frau Dörschel zu ihrem Buch, habe es mit großem Interesse gelesen, finde es interessant und spannend geschrieben.“

Irene Warnecke, Hausfrau, Ortsratmitglied: „Das Buch ‚Wir müssem starke Herzen haben‘ finde ich sehr gut; ich habe gleiche Erfahrungen gemacht.“

Manfred Gerike, Realschullehrer und Autor, Seesen: „Das Buch von Lieselotte Dörschel habe ich mit großem Interesse gelesen und bin wirklich beeindruckt von der realistischen, freimütigen und vor allem sehr persönlichen Schilderung dieses Stückes Zeitgeschichte.“

Die Öffentlichkeitsarbeit und kulturpädagogische Begleitung führt Jutta Walter.


Leseprobe

Mutter hatte Arbeit bekommen in einer Blechwarenfabrik. Sie mußte nun jeden Tag 40 km mit dem Fahrrad fahren, 20 km hin und 20 km zurück, bei Wind und Wetter, bei Glatteis und Schnee. Früh morgens in der Dunkelheit zog sie ihren Gummimantel an und fuhr los. Sie stand den ganzen Tag an einer Stanzmaschine. Wenn sie abends nach Hause kam, war sie völlig erschöpft. Ich hatte dann meistens schon das Essen vorbereitet oder auch schon fertig gekocht, es gab einige Gerichte, die ich schon kochen konnte. Sie ordnete dann alles für den nächsten Tag und machte ihre Karbidlampe fertig für den nächsten Morgen. So ging das tagaus und tagein. Am Samstag und am Sonntag wusch sie, damit sie für die nächste Woche saubere Arbeitskleidung hatte. Am Freitag war Lohntag, da ging sie gleich in der Stadt einkaufen und brachte auf dem Fahrrad die Lebensmittel für die nächste Woche nach Haus, dann war alles Geld ausgegeben. Die Arbeit machte sie gesundheitlich kaputt, außerdem verkraftete sie den rüden Ton in der Fabrik nicht. Die Frauen mußten sich oft Anzüglichkeiten der Männer, besonders der Vorgesetzten, gefallen lassen. Wer sich dem widersetzte, hatte nichts zu lachen. Aber sie brachte das Notwendigste nach Haus. 3. In der Stadt war die Not auch groß. Bei Verwandten in Hannover hatten sich zwei Brüder, Erben einer Druckerei und Geschäftsbücherfabrik, erschossen, weil die Firma Pleite ging. Aus allen Richtungen gab es nur schlechte Nachrichten. Wir hatten ca. 5.000.000 Arbeitslose. Nur Onkel Otto in Hannover hatte einen Silberstreif am Horizont entdeckt, er setzte voll und ganz auf die neue Partei und engagierte sich ungeheuer. Auch Onkel Albert, der jüngere Bruder, der mit seiner Familie in Hannover lebte, hatte sich inzwischen ‘bekehren’ lassen und war in die Partei eingetreten. Ich war zehn Jahre alt und verstand noch nichts von Politik, aber ich hörte immer wieder, daß es so nicht weitergehen könnte, und das war allgemeine Meinung. Ich bewunderte den Onkel Otto, der mit so großer Überzeugung für das eintrat, was er für richtig hielt, und dafür kämpfte, daß es besser werden sollte. Das war zu der Zeit in der Stadt nicht ungefährlich, kam es doch immer wieder zu Zusammenstößen zwischen den ‘Braunen’ und den ‘Roten’. In Hannover gab es ganze Stadtbezirke, die ‘rot’ waren. Bei Überfällen in Treppenhäusern wurden Köpfe blutig geschlagen. Ottos junge Frau lebte in ständiger Angst. Oft gab es regelrechte Straßenschlachten und Verfolgungen. Er war jedoch überzeugt, auf der richtigen Seite zu stehen. Da war jemand, der wollte allem Elend ein Ende machen und Deutschland wieder aus der Talsohle heraus holen. Wenn Onkel Otto davon sprach, war da soviel Hoffnung und Begeisterung! Es sollte eine neue Zeit geben, eine große Zeit, und wir durften sie erleben, wenn wir diesen Mann, Adolf Hitler, tatkräftig unterstützen würden. Gerade auf die Jugend, die er so liebte, baute Hitler sehr. Er brauchte die Jugend, um seine großen Ziele durchzusetzen. Er wollte den Arbeitslosen wieder Arbeit und Brot geben, und die Mütter sollten Urlaub machen und sich erholen können. Alle sollten in Frieden und Freiheit leben, und Deutschland sollte wieder Ansehen in der Welt erlangen. Dieses Thema wurde überall erörtert, auch in unserer Frisörstube saßen die Männer und redeten sich die Köpfe heiß. Es gab zwei starke Strömungen, und diese Strömungen gingen mitten durch unsere Familie. Wenn die Brüder meines Vaters zusammen kamen, bangte man schon, das Gespräch könnte auf Politik kommen. Dann gerieten die Brüder aneinander, und es gab Ärger. Da waren also der ‘Braune Otto’ und der ‘Rote Gustav’, der im Harzer Bergbau arbeitete und mit seinen Kumpels auf der anderen Seite stand. Es gab nicht enden wollende Debatten. Eins wollten allerdings alle: „Nie wieder Krieg!“ Onkel Otto versicherte immer wieder, daß es nur besser werden könnte, wenn alle zusammenstehen würden. Eines Tages machte mir Onkel Otto ein kleines Geschenk, er brachte mir ein Silberkettchen mit, an dem hing in einem Strahlenkranz ein Hakenkreuz. Ich fand es sehr schön und machte es gleich um. Auch zur Schule trug ich es, wurde aber belehrt, daß ich es zu Hause lassen sollte. Nun trug ich es unter dem Kleid.


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